Börsensteuer belastet die private Vorsorge

Noch ist es nicht beschlossene Sache, aber die Transaktionssteuer für Kapitalmarktgeschäfte kann sich, bereits ab 2014, auch auf die private Vorsorge wie Riester Renten und Betriebsrenten auswirken. Den Chancen zur Einführung in mindestens 11 der 27 EU-Staaten stehen derzeit nur noch wenige Hürden im Weg. Deutschland ist dabei eins dieser Länder.

 

Der Ausbruch der Bankenkrise ist nun schon einige Jahre her. Nun sollen auch endlich die Verursacher dieser Krise herangezogen werden. Durch eine Transaktionssteuer sollen Geschäfte mit Aktien und Anleihen mit 0,1% und Derivate mit 0,01% besteuert werden. Nach dem derzeitigen Entwurf der EU sind jedoch auch Pensionsfonds und Versicherte von der geplanten Steuer betroffen. Dies wird in der Branche gar nicht gerne gesehen, zumal man sich nicht als Verursacher und Treiber der Krise sieht. Da Lebensversicherungen, nach Angabe des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft), meist bereits sehr konservativ und langfristig investieren, fühlen diese sich zu Unrecht in der Kritik. Schnelllebige Derivate, welche einen Großteil der Finanzkrise verursacht hatten, kommen in ihrem Portfolio verhältnismäßig selten vor.

 

Befürchtungen des GDV

Der GDV fordert deshalb, dass Kapitalmarktgeschäfte, welche der Altersvorsorge zugeschrieben sind, von der Transaktionssteuer zu befreien sind. Die Forderungen des GDV begründen sich dabei im Wesentlichen vor der Furcht eines fallenden Zinsniveaus. Somit würden sich auch lediglich geringere Kapitalerträge für die Versicherten erwirtschaften lassen. Zudem argumentiert der GDV, dass eine Besteuerung der bisherigen Handlungsweise der Regierung widerspräche. Auf der einen Seite fördere die Regierung die private Vorsorge der Versicherten, wohingegen auf der anderen Seite eben diese belastet würden. Diese Einschnitte in die privaten und betrieblichen Renten können dabei enorm sein.

 

Expertenschätzung geht über die Befürchtungen des GDV hinaus

Laut Experten ergeben sich bei der Einführung der Steuer Einbußen von 2% bis 5% für Vorsorgesparer. Somit ist der Verlust teilweise sogar über den Förderungen des Staates zur Riester- und Rürup-Rente, was den Argumenten des GDV weitere Kraft gibt. Diese Zahlen würden dabei sogar die Schätzungen des GDV übertreffen. Dies ist darin begründet, dass die durchschnittliche Umschlagehäufigkeit einer Versicherung oder eines Fonds auf etwa 40% bis 80% geschätzt wird. Die Umschlagehäufigkeit ist diejenige Zeit die es dauert um das gesamte Kapital von bestehenden Investitionen auf neue Investitionen umzuschichten. Die ausgegebene Maxime des GDV von Langfristigkeit und konservativem Handeln muss folglich etwas relativiert werden.

 

Was ändert sich für den durchschnittlichen Bürger?

Die Auswirkungen der Transaktionssteuer lassen sich grob in einem einfachen Rechenbeispiel darstellen. Ein Sparer, welcher über 30 Jahre monatlich 100€ anlegt, hat am Ende der Laufzeit aufgrund von Zinsen etwa 70.000€ angespart. Der durchschnittliche Anlagewert beträgt somit ca. 30.000€. Wenn die Umschlagehäufigkeit, also die Zeit, die es dauert, um das gesamte Kapital von bestehenden Investitionen auf neue Investitionen umzuschichten, zwei Jahre beträgt, dann kommt es jährlich zu Transaktionskosten von 15€ (0,1%). Auf 30 Jahre hochgerechnet fallen folglich 450€ an Börsensteuer an. Bei den schnelllebigen Derivaten liegt der Betrag dabei sogar noch deutlich höher. Letztendlich lässt sich aber die Belastung der Steuer erst bei deren Einführung genau bestimmen. Für Sparer bleibt zu hoffen, dass eine Ausnahmeregelung für Wertpapiergeschäfte der Altersvorsorge beschlossen wird. Die Chance hierfür steht derzeit nicht allzu gut. Denn Pensionsfonds gelten als wichtige Akteure der Finanzmärkte.