Sorge statt Vorsorge

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Doch anstatt die Vorzüge zu genießen, plagt viele die Sorge um ihre Rente. Zahlreiche Bürger rechnen damit, länger arbeiten zu müssen und trotzdem weniger zu bekommen. Schuld daran sind der demografische Wandel und die geringe gesetzliche Rente.

 

Situation der Rentner

Die gesetzliche Rente liegt derzeit bei westdeutschen Männern durchschnittlich bei etwas unter 1000€, Frauen hingegen bekommen nur knapp die Hälfte. Tatsächlich haben viele Rentner jedoch deutlich mehr Geld zur Verfügung, da private Vorsorgemaßnahmen getroffen wurden. Die beliebtesten privaten Altersvorsorgen der Deutschen sind Lebensversicherungen, Betriebsrenten und Immobilien. So kommt es, dass der sogenannte „Muster Rentner“ etwa 2.500€ brutto an Rente zur Verfügung hat. Diese Rentnergruppe wird es jedoch nicht mehr lange geben. Bisher gelten offiziell 2% bis 3% der Rentner als arm. Hierzu wird gezählt, wer eine Rente von 627€ oder weniger bezieht. Dies entspricht aber immerhin 764.000 deutschen Rentnern. Die viel beschworene Altersarmut ist existiert somit offiziell noch gar nicht. Die derzeitige Entwicklung der Renten deutet aber einen erschreckenden Negativtrend an.

 

Rentenerwartungen

Die Mehrheit der Deutschen erwartet in Zukunft eine unsichere Rente. Diese schockierende Einschätzung der Rentensituation ergab eine Umfrage in der deutschen Bevölkerung. Die Befürchtungen der Befragten begründen sich dabei im Wesentlichen durch das Renteneinstiegsalter und die Rentenhöhe. So schätzt über die Hälfte der Befragten, dass spätestens in 20 Jahren das gesetzliche Eintrittsalter in die Rente bei 69 Jahren oder höher liegen wird. Besonders brisant ist hierbei, dass viele Bürger es sich nicht zutrauen, aufgrund der hohen Belastungen in ihren Berufen mit beinahe 70 Jahren noch zu arbeiten. Bei früherem Renteneintritt kommt es zu starken Einschnitten von derzeit 0,3% pro Jahr. Ebenfalls glauben drei von vier Befragten, dass zukünftig selbst eine Kombination aus gesetzlicher und privater Vorsorge nicht mehr ausreicht, um einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Lösungen erhoffen sich viele auch durch eine Mitgliedspflicht zur gesetzlichen Altersvorsorge für Selbständige. Bisher ist es diesen selbst überlassen, ob sie in die gesetzliche Altersvorsorge einzahlen.

 

Zukunftsentwicklung

Die Einführung der Rente mit 67 Jahren hat gerade erst begonnen und soll bis zum Jahr 2029 komplett umgesetzt werden. Bereits jetzt regen sich die Sorgen bei Bürgern über weitere Eingriffe in das instabile Gerüst der Altersvorsorge. Die EU plant eine einheitliche Gestaltung der Rente innerhalb des europäischen Raums. Hierbei könnte es auch zu einschneidenden Ergebnissen für deutsche Rentner kommen. Im Visier der EU ist derzeit besonders die deutsche Betriebsrente, welche immerhin von knapp über der Hälfte der deutschen Bevölkerung in Anspruch genommen wird. Des Weiteren könnte es aber auch zu einer erneuten Anpassung des Renteneinstiegsalters kommen. Entsprechende Pläne der EU wurden bereits von einigen Vertretern geäußert.

Da die deutsche Bevölkerung immer älter wird, ist eine Erhöhung des Renteneinstiegsalters nach Meinung vieler Experten unumgänglich geworden. Die Zukunft der Altersvorsorge kann jedoch nicht alleine auf einer Entlastung der gesetzlichen Rente basieren. Es sind zudem Maßnahmen in den Bereichen der betrieblichen und privaten Vorsorge zu treffen. Ein weiterer Umschwung muss auch in der betrieblichen Förderung der körperlichen Fitness sowie in der Verbesserung von Arbeitsbedingungen eintreten. Dies ermöglicht es den Arbeitnehmern länger und effizienter zu arbeiten, sodass auch die Interessen der Arbeitgeber widergespiegelt werden.